Gin Tonic? – Viel zu banal!

Was man beim Trinken lernt…

Eine Frage vorweg: Habt Ihr irgendwann in den letzten vier bis sechs Jahren mal versucht, beim Barkeeper Eures Vertrauens einen Gin Tonic zu ordern? Und wenn ja, wie lautete die Antwort?

Ich nehme mal nicht an, dass Ihr einfach so bekommen habt, was Ihr wolltet. Wenn der Barkeeper was taugt – und die Bar auch – dann hat er Euch zumindest die Getränkekarte an der richtigen Stelle aufgeschlagen und Euch gefragt, welcher Gin mit welchem Tonic es denn sein soll. Denn Gin Tonic trinken ist ja mittlerweile kein Zeitvertreib mehr, sondern eine Pseudo-Wissenschaft.

Wenn Ihr jetzt gähnt, weil dieses Thema für Euch „so yesterday“ ist, dann seid Ihr vermutlich Großstadtbewohner, und vermutlich unter 40.

Für Provinzbirnen wie mich stellt sich das aber alles ein bisschen anders dar. Zwar leben wir grundsätzlich in einer schnelllebigen Zeit, aber hier auf dem Land ticken die Uhren tatsächlich noch anders. Außerdem habe ich in den letzten Jahren aufgrund mehrerer Schwangerschaften und den darauf folgenden Stillzeiten das Thema Ausgehen und Alkoholtrinken ziemlich vernachlässigt. Dadurch ist mir dieser Gin-Trend schlicht durch die Lappen gegangen.

Mit Trends verhält es sich ja grundsätzlich so: Sie entstehen in Großstädten, werden von den Menschen dort mehr oder weniger begeistert aufgenommen und sozusagen verstoffwechselt – und was dabei herauskommt, nennt sich dann entweder Mainstream oder landet direkt in der Tonne.

Ist ein Trend endlich im Mainstream angelangt, wandert er von der Stadt auf‘s Land. Das ist der Punkt, an dem auch Provinzbirnen wie ich zu guter Letzt in den Genuss kommen, ihn auszuprobieren. In unserem Beispiel war das letzten Sommer der Fall: Ich verabredete mich nach überstandener Stillzeit mit einer Freundin zu Kino und Drinks in unserer Lieblingsbar. Und dort entspannte sich dann das eingangs geschilderte Szenario.

Botani- was?

Nicht weniger als 15 Gin-Sorten wollten passend mit acht verschiedenen Tonic-Wassern verbandelt werden. Aber nach welchen Kriterien? Auf der Karte las ich etwas über „Botanicals“, pflanzliche Zusätze wie Zitrusfrüchte, Kardamom oder Angelikawurzel. Über verschiedene Destillationsmethoden. Und schließlich stellte ich zu meinem Erstaunen fest, dass Tonic Water nicht gleich Tonic Water ist. Denn auch hier werden mithilfe pflanzlicher Aromen verschiedene Geschmäcker erzeugt, um mit den unterschiedlichen Gin-Sorten zu harmonieren.

An diesem Punkt streckte ich die Waffen. Ich bat den freundlichen Barkeeper, mir „irgendwas mit Kräutergeschmack“ zu mixen, was er dann auch tat, und zwar ohne in gespielter Verzweiflung die Augen zu verdrehen – was ich ihm hoch anrechne. Das Ergebnis schmeckte, nun ja, wie ein Gin Tonic eben. Ich fand ihn…lecker, aber ich konnte beim besten Willen weder Lavendel, noch Lilienblüten, noch Bergamotte herausschmecken, die laut Getränkekarte aber drin steckten.

Stirnrunzeln auf Seiten des Barkeepers und der freundliche Hinweis auf regelmäßig stattfindende Gin-Seminare und -Tastings waren die Folge. Ich versprach hoch und heilig, mich anzumelden.

Dieses Versprechen habe ich noch nicht eingelöst, aber der Gin-Trend, der schon gar keiner mehr ist, ist jetzt endlich auch bei mir angekommen. Während meine Freunde in der Großstadt sich schon längst auf den nächsten „hot shit“ stürzen, hat die Provinzbirne sich ein Gin-Tonic-Kit im Web bestellt. Und probiert jetzt fleißig aus. Zum Wohl!

Veröffentlicht von

Frauke Holzwarth

Mutter, Texterin, Online-Redakteurin, Bloggerin über den täglichen Wahnsinn und die Tücken des Landlebens

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